Der 29. Juni sollte im Kalender rot eingekringelt werden, denn zu diesem Termin tritt die EU-Richtlinie 2006/43/EG in Kraft. Zu diesem locker als Euro-Sox bezeichneten Regelwerk hat ein Zusammenschluss von Firmen, Wissenschaftlern und Entwicklern einen Standard namens MoReq2 entwickelt. Für den wird nun eifrig die Werbetrommel gerührt. Bindend ist er aber nicht.
Mit Speck fängt man Mäuse und mit Compliance Kunden, scheint so mancher Anbieter zu denken. Hinter dem Kürzel MoReq2 steht der Standard Model Requirements for the Management of Electronic Records. Herausgeber ist ein gemischtes Team diverser Lobbyisten. Die Europäische Kommission erklärt, dass MoReq2 für Mitgliedstaaten und Unternehmen unverbindlich ist. Nichtsdestoweniger ist bereits ein entsprechendes Zertifizierungsverfahren für Software-Lösungen auf dem Markt. Bisher allerdings ohne Abnehmer.
Die MoReq-Fraktion argumentiert mit dem verstärkten Druck auf Unternehmen in Sachen Governance und Risk Management. Aktueller Aufhänger: Die Skandale um Siemens oder VW. Sie wären vermeidbar gewesen, hätten die Verantwortlichen nur ihre Dokumentationspflichten nicht so vernachlässigt.
Hier kommt der Begriff Records Management ins Spiel. Records Management soll Unternehmen bei der Erfüllung ihrer Kontroll-, Transparenz- und Dokumentationspflichten unterstützen.
Quelle und gesamter Artikel: CIO.de
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Dokumentation der MoReq2 Roadshow ist jetzt online
Die Dokumentation der "Moreq2 Roadshow 2008" (Zürich, 27.05.2008; Wien, 29.05.2008; Frankfurt, 04.06.2008; Berlin, 05.06.2008) mit Beiträgen von PROJECT CONSULT, Bundeskanzleramt, IBM, HTW Chur, Fabasoft, Saperion, Verband Schweizer Archivarinnen und Archivare, Hyperwave, Bundesstelle für IT und imbus zum Thema Records Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist jetzt weitgehend online gestellt.
Die Tagungsdokumentation, Vorträge, Fotos, Videos und Multimedia-Aufzeichnungen finden Sie unter: http://www.doxtop.com/magazines/MoReq2-2008.aspx auf der freien Publikationsplattform http://www.doxtop.com.
Mit den besten Grüßen,
Dr. Ulrich Kampffmeyer
http://www.MoReq2.de
MoReq2
Sehr geehrter Herr Pitschek,
vielen Dank, dass Sie die Thematik mit dem Eintrag in Ihrem Blog aufgreifen. Allerdings ist die Informationsveranstaltung zum Thema Records Management in Wien bereits am 29.05.2008 gelaufen ... Dies macht aber nichts, da wir die MoReq2-Roadshow-Vorträge aufgezeichnet haben und zusammen mit der vollständigen Dokumentation nach Abschluss der Roadshow im Internet bereitstellen werden. In unserem PROJECT CONSULT Newsletter werden wir auch über den Vortrag des Vertreters des österreichischen Bundeskanzleramtes zum Thema MoReq2 berichten.
Aber kurz zu dem Beitrag aus CIO, den Sie referenzieren. Dieser enthält leider zahlreiche inkorrekte Aussagen:
1) MoReq und MoReq2 wurden von der Europäischen Kommission beauftragt, bezahlt und veröffentlicht.
2) Träger des MoReq Standards ist das DLM Forum (http://www.dlm-netowrk.org), der Zusammenschluss aller Nationalarchive und an der Thematik interessierten Organisationen. Österreich ist durch das BAR im DLM Forum vertreten.
3) Das Editorial Board ist keineswegs eine Vereinigung von Lobbyisten. Das Editorial Board ist für den fachlichen Inhalt des Standards verantwortlich. Die Zusammensetzung des Editorial Board finden Sie hier: http://www.moreq2.eu/MoReq2_Editorial_Board.pdf
4) Der Standard wurde von Firma Serco, die die Ausschreibung der Europäischen Kommission gewonnen hatte, zusammen mit dem Editorial Board sowie hunderten von Kommentatoren aus dem Anwender-, dem Archiv-, dem Anbieter und dem RM-Spezialisten-Panels verfasst. An den Panels haben sich nahezu alle Anbieter von Records-Management-Software sowie Organisationen, Behörden, Verbände und Spezialisten aus der ganzen Welt beteiligt (z.B. aus Australien mehr Leute als aus Österreich). MoReq2 ist die aktuellste und vollständigste Darstellung des State-of-the-Art von Records Management (siehe hierzu auch die Statements auf http://moreq.niniel.org/statements-zu-moreq2/).
5) In einer Reihe von europäischen Staaten, Vorreiter ist hier Slowenien, ist MoReq sogar in Gesetzen und Verordnungen als Grundlage für Records Management festgelegt worden. MoReq2 wird in England voraussichtlich den bisherigen Standard TNA ablösen. Eine Reihe von Organisationen und Verbänden hat klare Empfehlungen für den Einsatz von MoReq gegeben, so z.B. die Records Manager Guild in Russland. Verbandsseitig unterstützt z.B. die AIIM international den MoReq2 Standard (http://www.pressebox.de/pressemeldungen/aiim-europe/boxid-131971.html). Die ÖGDI will zukünftig in Österreich auch Seminare zu MoReq2 anbieten. Der im CIO-Beitrag erwähnte deutsche Anbieterverband VOI hat sich übrigens nicht an der Erstellung oder Kommentierung von MoReq2 beteiligt.
6) Zertifizierungen von Produkten gibt es noch nicht, da das Akkreditierungsverfahren über die Europäische Akkreditierungsvereinigung erst jetzt aufgenommen wird. Es gibt aber Commitments zahlreicher Anbieter (IBM, OpenText u.a.), MoReq2 zu unterstützen, siehe z.B. die Zusammenstellung hier: http://moreq.niniel.org/statements-zu-moreq2/
7) Die offizielle Position der Europäischen Kommission findet sich hier: http://ec.europa.eu/idabc/en/document/2303/5644.
8) MoReq ist für die öffentliche Verwaltung UND die Privatwirtschaft ausgelegt. Gerade internationale oder international tätige Unternehmen profitieren von einem einheitlichen Standard für ganz Europa, da sich nur so die steigenden Compliance Anforderungen übergreifend und durchgängig abdecken lassen. Gerade angesichts der 8. Direktive (EURO-SOX) gewinnt MoReq2 hier an Bedeutung.
Mit den besten Grüßen,
Dr. Ulrich Kampffmeyer
DLM Forum - Mitglied
DLM Network EIIG - Manager
MoReq2 Editorial Board - Mitglied
MoReq2 - Kommentar
Sehr geehrter Herr Kampffmeyer,
vielen Dank für Ihren informativen Kommentar.
Ich sehe MoReq2 als ein ausgezeichnetes Mittel zur Auswahl und Konsolidierung von Records-Management-Lösungen. Und hoffentlich treibt es auch die Interoperabilität von Systemen unterschiedlicher Anbieter weiter...Mal sehen, was die Anbieter daraus machen. Ich kann mich noch gut an die Initiativen der WfMC erinnern, auch da waren die Erwartungen recht hoch, der letztendlich für den Anwender verwertbare Nutzen hielt sich aber in Grenzen.
Aber speziell Branchen wie die öffentliche Verwaltung werden davon sicherlich profitieren.
Lg
Gerald A. Pitschek
MoReq2 und der Markt
Bezogen auf Österreich sehe ich die öffentliche Verwaltung eigentlich mit ELAK und EDIAKT gut aufgestellt. Ich glaube, dass MoReq2 zunächst viel eher das Interesse international tätiger oder international aufgestellter Unternehmen trifft, die sich mit einer steigenden Zahl von regulativen Anforderungen konfrontiert sehen und GRC inzwischen eher unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten - die Erfüllung von Compliance-Vorgaben so nebenbei. Gerade angesichts des sogenannten EuroSox wird MoReq2 in der Privatwirtschaft Anklang finden, da damit die Möglichkeit gegeben wird, mit nur einem Records Management Standard Europa abzudecken.
Mit den besten Grüßen,
Dr. Ulrich Kampffmeyer
Als Zitat gekennzeichnete Passage im CIO Beitrag
Der CIO Beitrag (http://www.cio.de/knowledgecenter/rm/854588/index.html) enthält eine als Zitat gekennzeichnete Passage, die mir zugewiesen wurde.
Die falsche und unklare Darstellung, was Records Management sein soll, wurde von mir zu keinem Zeitpunkt getätigt.
Ich verweise hier auf die Definition aus dem ISO Standard 15489 "Records Management".
Offenbar wurde der Text aus dem Beitrag http://moreq.niniel.org/2007/09/10/records-management/ abgeleitet.
Das angebliche Zitat neben meinem Bild wurde mir nicht vorgelegt und ist nicht authorisiert.
Dr. Ulrich Kampffmeyer
PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH
http://www.PROJECT-CONSULT.com